DIE  BERLINER  BILDHAUERSCHULE  (ca. 1820 – 1920) 

 

Obwohl sich mehrere hundert Bildhauer des 19. Jahrhunderts (Berliner und/oder solche, die dort lernten, arbeiteten und zum Teil blieben) mit dem in Verbindung bringen lassen, was unter "Berliner Bildhauerschule" zusammenfassend zu verstehen ist, haben doch nur einige wenige herausragende Gestalten Stilrichtungen, Formensprache und - sicherlich im Zusammenwirken mit den Auftraggebern - die Themenkreise der Berliner Bildnerei bestimmt.

Alle wichtigen Berliner Bildhauer zu nennen und ihren Werdegang zu schildern, oder auch die vielfältigen politisch/geschichtlichen Entwicklungen, die für die Kunstentwicklung und natürlich auch -betrachtung von großer Wichtigkeit sind, kann hier nicht geleistet werden. So sollen an dieser Stelle nur die knappen erforderlichen Bezüge hergestellt werden. Auf die bedeutende Tatsache muß aber noch hingewiesen werden, daß sich im 19. Jahrhundert wechselnd aber ständig eine große Anzahl deutscher Künstler in Rom aufhielt, darunter zahlreiche Mitglieder der Berliner Bildhauerschule, die teilweise mehrere Jahre dort studierten und arbeiteten. Rom kann also als quasi "Außenstelle" der Berliner Akademie angesehen werden, an der viele Künstler wesentliche stilbildende Impulse erhielten, auch wenn sie nie in Berlin gelernt haben.

Als quasi Stammvater jener Kunst ist Andreas Schlüter (1660 - 1714) anzusehen, der bereits 1694 als Hofbildhauer nach Berlin berufen wurde und seit 1699 das gesamte Kunstwesen Berlins leitete. Internationalen Rang gewann die Berliner Bildhauerei aber erst mit Gottfried Schadow (1764 - 1850), dessen Werk von dem frühen Klassizismus Antonio Canovas in Rom sowie dem Winckelmann-Bild der griechischen Antike geprägt wurde. Seine Kunst erblühte unter der Förderung durch "seinen" König Friedrich Wilhelm II.. Schadow's bedeutendster Schüler war Christian Daniel Rauch (1777 - 1857), der seinerseits von Wilhelm von Humbold und Bertel Thorvaldsen stark beeinflußt wurde. Humbold wurde zum Mentor Rauchs, und mit Thorvaldsen verband ihn eine langjährige tiefe Freundschaft. Rauch war der erklärte Favorit des nachfolgenden Königs Friedrich Wilhelm III., und so geriet Schadow, der auf Rauch in dessen früher Berliner Zeit auf ihn aufmerksam wurde und ihm den Weg als Bildhauer geebnet hatte, leicht ins Hintertreffen. Zu Rauchs beinahe uneingeschränkt stilbildender Schule, welche die Berliner Kunst bis weit in die Gründerjahre hinein entscheidend beeinflusst hat, gehörten u. a. Albert Wolff (1814 - 1892) und Reinhold Begas (1831 - 1911). Während Wolff die mit zeitgeschichtlicher Porträthaftigkeit und maßvollem Realismus gepaarte klassische Ausdrucksweise Rauchs pflegte und selber als Lehrer überlieferte, wurde Begas, der nach seinem Romaufenthalt von den Werken Berninis besonders beeindruckt war, zum Hauptvertreter des Wilhelminischen Neubarock. Fritz Schaper (1841 - 1919) wiederum war Schüler von Albert Wolff gewesen und weitgehend in Rauchs Tradition dem noblen, vom deutschen Idealismus geprägten Menschenbild verpflichtet.

 

In eben dieser Tradition entstand im 19. Jahrhundert - neben zahlreichen Porträtbüsten, -statuen und Medaillons, Genrefiguren für die Ausstattung der vornehmen Salons sowie den Grabmalen unterschiedlichster Form und Größe - eine Reihe von Denkmälern, die dem aufkeimenden Repräsentationsbedürfnis des emanzipierten und aufgeklärten Bürgertums entsprechend "...Gelehrte, Ärzte, Erfinder, Unternehmer (...) im sonntäglichen Bratenrock, mit korrektem Stand- und Spielbein, eine Schriftrolle oder ein anderes Attribut von Gelehrsamkeit und Tatkraft in der Hand" darstellten.

 

Die Berliner Bildhauerschule war über ein Jahrhundert – in der Zeit von ca. 1820 bis 1920 - stil- und richtungsweisend für die Kunstentwicklung in Europa und Übersee. In unserer Galerie führen wir u. a. Arbeiten von folgenden bedeutenden Vertretern: Reinhold Begas, Richard Brahms, Josef Breitkopf-Cosel, Peter Breuer, Emil und Robert Cauer, Hans Hubert Dietsch, Gustav Eberlein, Max Esser, Reinhold Felderhoff, Willibald Fritsch, Else Fürst, Edmund Gomansky, Franz Iffland, Gerhard Janensch, Bruno Kruse, Paul Leibküchler, Ferdinand Lepcke, Otto Markert, Hermann Müller, Carl Reinert, Ernst Friedrich Rietschel, Gottfried Schadow, Wolfgang Schaper, Dorothea Schaper-Barthel, Alice Simonsen, Ernst Waegener, Wilhelm Wandschneider, Max Wiese, oder Cuno von Uechtritz, Ernst Zehle, welche vor allem durch ihre großplastischen Auftragsarbeiten im öffentlichen Raum bekannt geworden sind.

 

Bis auf wenige Ausnahmen verfügt die Galerie Kunst+ über die originalen Bildhauermodelle. Sie sind/werden noch im Zuge der kunstwissenschaftlichen Aufarbeitung und Dokumentation der Berliner Bildhauerschule geborgen, zum Teil restauriert und so einer interessierten Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Wir bieten als einzige in Deutschland dem anspruchsvollen Kenner und Sammler autorisierte Bronzegüsse, hergestellt im aufwendigen Wachsausschmelzverfahren, an. Daneben sind Originalbildhauermodelle – von denen auf Wunsch Bronzeabgüsse realisiert werden können – zu sehen.

 

Diese rar gewordenen, künstlerisch wertvollen Genrefiguren, Reliefs, Porträtbüsten und allegorischen Darstellungen erlauben ganz individuelle, innovative Akzentsetzungen in privaten und öffentlichen Räumen außerhalb üblicher Sehgewohnheiten. Darüber hinaus bieten sich diese Bronzen in idealer Weise für den Auf- und Ausbau neuer Kunstsammlungen an.